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Es sind viele Fehler gemacht worden. Angefangen vom Koalitionsvertrag und dem Nichtbesetzen des Finanzministeriums bei Steuersenkungen als Top-Wahlversprechen über ein schon wirklich absurd treudoofes Dauer-Abnicken fast sämtlicher Untaten der Union bis hin zu einem zweifelhaften Umgang mit der eigenen Parteibasis und einer unseligen, furchtbar peinlichen Zweitstimmenkampagne im Wahlkampf.

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Ich weiss nicht, was mir so alles in den vier Jahren an den Kopf geworfen wurde von Partei“freunden“, wenn ich die FDP hier und anderswo für inkonsequente oder einfach nur nicht liberale Politik angegriffen habe. Aber ich konnte nicht anders, ich fand viele Entscheidungen  einfach scheisse, völlig abseits jeden liberalen Prinzips oder wenigstens, bei allem Verständnis für Kompromisse, die man in einer Koalition mal eingehen muss, ganz einfach zu weitgehend für eine liberale Partei.

Heute schau ich mir das Wahlergebnis an und denke mir: Naja, unverdient kommt das leider nicht. Die FDP hat nicht nur, aber besonders in den letzten Wochen immer wieder gesagt, was an den Anderen alles schlimm ist und warum man die nicht an die Macht lassen darf. Sie hat es aber gleichzeitig fast komplett versäumt, klar zu machen, wozu man sie selber eigentlich braucht – außer dazu, Merkel am Ruder zu lassen. Die Leute haben das kapiert und bei ihrer Wahl beherzigt – und konsequenterweise gleich CDU gewählt.

Woraus wir lernen sollten, dass Anbiederung an die CDU oder eine andere Partei nichts bringt. Außer, dass man die FDP und ihre Inhalte nicht ernst nimmt!

Wir müssen generell weg von der Funktionspartei, die keiner will, niemand braucht und auch kein Mensch ernst nimmt. Die FDP muss Programmpartei werden. Und sie muss sich  von ihrem Wischiwaschi-Programm verabschieden, in dem zum Beispiel Mindestlöhne stehen (vor 2009 noch als „DDR ohne Mauer“ verspottet) und die eigenen Positionen im Jahrestakt über den Haufen geworfen werden, bloß weil es grade eine Finanzkrise gibt oder in Japan die Erde bebt.

Prinzipien heißen so, weil sie über aktuellen Entwicklungen stehen. Das muss die Partei lernen. Und sie muss diese Prinzipien auch wieder richtig entdecken. Die meisten liberalen Grundprinzipien sind nämlich echte Alleinstellungsmerkmale – und damit wahre Gründe, die FDP zu wählen.

Wenn die ganze Welt ihren Keynes veranstaltet ist es unsere Chance, mit Hayek zu kontern. Wenn alle Parteien die Krise mit ihren Papiergeldmanipulationen verlängern wollen, dann sollten wir ein liberales Währungsmodell dagegen halten. Wenn alle Bundestagsparteien finden, dass unsere Verbindungsdaten gespeichert werden sollten, dann müssen wir auf unsere Bürgerrechte pochen.

Und dann müssen wir mit diesen auf echte, glaubwürdige Prinzipien fundierten Positionen um uns Werben – und anschließend (anders als 2009) auch gegen Widerstände dazu stehen, statt uns an eine Handvoll Ministerposten zu klammern.

Letzteres ist das, was die FDP gestern Abend zum ersten Mal in ihrer Geschichte fürchterlich krachend aus dem Bundestag befördert hat. Daran hat niemand Anderes Schuld als die FDP, insbesondere ihre Spitze, ihre Minister und ihre soeben hinfortgewischte Fraktion.